Vier-Tage-Woche: Holz- und Fur­nier­fir­ma macht es vor

Vie­le Men­schen träu­men von einer kür­ze­ren Arbeits­wo­che. Gera­de im Hand­werk kann ein höhe­res Gehalt ein Grund sein, den Betrieb zu wech­seln — aber sind damit auch die Arbeits­be­din­gun­gen bes­ser? Die Vier-Tage-Woche klingt für vie­le Beschäf­tig­te reiz­voll. Doch wie sieht es in der Rea­li­tät aus? Wir haben uns mit dem The­ma aus­ein­an­der­ge­setzt und spre­chen über die Vor- und Nach­tei­le einer anders auf­ge­teil­ten Arbeitswoche.

Die­ser Bei­trag blickt auf die 2022 ange­kün­dig­te Vier-Tage-Woche bei Osen­stät­ter zurück. Die dama­li­ge Geschich­te bleibt erhal­ten; ein­zel­ne Aus­sa­gen wur­den am 30. Sep­tem­ber 2026 prä­zi­siert. Eine spä­te­re Erfolgs­aus­wer­tung des Betriebs liegt uns nicht vor.

Vier-Tage-Woche im Hand­werks­be­trieb — was ist das?

Ein Tag weni­ger arbei­ten, ein Tag mehr für sich selbst: Das klingt erst ein­mal ver­lo­ckend. Doch was steckt eigent­lich hin­ter die­sem Kon­zept? Bei einer Vier-Tage-Woche ver­teilt sich die Arbeit auf vier statt auf fünf Tage. Ob dabei auch die Wochen­ar­beits­zeit sinkt oder die­sel­ben Stun­den auf weni­ger Tage ver­teilt wer­den, hängt vom kon­kre­ten Modell ab. Die­ser Unter­schied ist wich­tig: Ein frei­er Frei­tag und eine ins­ge­samt kür­ze­re Arbeits­zeit sind nicht auto­ma­tisch dasselbe.

Für einen Betrieb kann das Modell eine Mög­lich­keit sein, auf den Fach­kräf­te­man­gel zu reagie­ren und sei­nen Mit­ar­bei­ten­den einen ande­ren Arbeits­rhyth­mus anzu­bie­ten. Ein zusätz­li­cher frei­er Tag schafft Platz für Fami­lie, Hob­bys oder Din­ge, die sonst am Wochen­en­de erle­digt wer­den müs­sen. Die Fra­ge ist nur: Wie orga­ni­siert man die Arbeit so, dass das auch im All­tag funktioniert?

Ein Hand­werks­be­trieb geht den muti­gen Schritt einer Vier-Tage-Woche ein

Ein Hand­werks­be­trieb in Deutsch­land wag­te 2022 die­sen Schritt: Die Holz- und Fur­nier­fir­ma Osen­stät­ter kün­dig­te an, das Arbeits­zeit­mo­dell ab Sep­tem­ber in expe­ri­men­tel­ler Form umzu­set­zen. Durch die­se Umstel­lung hoff­te das Unter­neh­men, neue Mit­ar­bei­ten­de anzu­wer­ben und das geplan­te Wachs­tum rea­li­sie­ren zu kön­nen. Zugleich soll­te die neue Auf­tei­lung den Beschäf­tig­ten mehr Raum zur Erho­lung geben.

Das waren die Erwar­tun­gen beim Start. Ob sie sich spä­ter erfüllt haben, ist eine ande­re Fra­ge — dazu liegt uns kei­ne belast­ba­re Aus­wer­tung des Unter­neh­mens vor.

Aus­gangs­la­ge vor der Umstellung

Wer Auf­trä­ge hat, braucht Men­schen, die sie umset­zen. Genau dar­in lag die Her­aus­for­de­rung, die wir damals bei Osen­stät­ter beschrie­ben: Es gab nur weni­ge Bewer­bun­gen für die zu beset­zen­den Arbeits­plät­ze. Ohne wei­te­re Fach­kräf­te war auch dem Wachs­tum eine natür­li­che Gren­ze gesetzt.

Neue Auf­trä­ge allein rei­chen schließ­lich nicht. Sie müs­sen mit der zuge­sag­ten Qua­li­tät und im ver­ein­bar­ten Zeit­raum abge­wi­ckelt wer­den. Feh­len dafür die Mit­ar­bei­ten­den, kann die Ter­min­treue lei­den und Kun­den kön­nen unzu­frie­den wer­den. Was also tun, wenn man wach­sen möch­te, aber die pas­sen­den Men­schen nicht findet?

War­um wird der Wech­sel des Arbeits­zeit­mo­dells angestrebt?

Muss man das Jah­res­brut­to dafür in astro­no­mi­sche Höhen dre­hen? Oder kann ein Betrieb etwas bie­ten, das sich nicht allein auf dem Gehalts­zet­tel able­sen lässt? Für Osen­stät­ter war die Vier-Tage-Woche eine Chan­ce, sich als Arbeit­ge­ber anders aufzustellen.

Ein Arbeits­platz muss zum Leben pas­sen. Für den einen bedeu­tet das mehr Zeit mit der Fami­lie, für die ande­re einen ver­läss­li­chen frei­en Tag oder Raum für ein Hob­by. Das macht das Gehalt nicht unwich­tig. Es erwei­tert aber die Fra­ge, war­um sich jemand für einen Betrieb ent­schei­det und dort blei­ben möchte.

Die Work-Life-Balan­ce kann damit ein wich­ti­ger Antrieb für die Ein­füh­rung einer Vier-Tage-Woche sein — auch im Hand­werk. Ob aus einem inter­es­san­ten Ange­bot tat­säch­lich neue Arbeits­ver­hält­nis­se ent­ste­hen, zeigt sich aller­dings erst bei Bewer­bun­gen, Ein­stel­lun­gen und im gemein­sa­men Arbeitsalltag.

Wel­che Aus­wir­kun­gen hat die Vier-Tage-Woche?

Ein der­ar­ti­ger Ein­griff in das Arbeits­zeit­mo­dell hat Fol­gen. Bleibt die Wochen­stun­den­zahl gleich, wer­den die ver­blei­ben­den Arbeits­ta­ge län­ger. Wer­den die Wochen­stun­den dage­gen redu­ziert, stellt sich umso deut­li­cher die Fra­ge, wie Auf­ga­ben und Abläu­fe dar­auf abge­stimmt wer­den. Aus unse­rer dama­li­gen Beschrei­bung lässt sich nicht ein­deu­tig able­sen, wel­che Wochen­stun­den­zahl bei Osen­stät­ter ver­ein­bart war.

Die Pro­zes­se müs­sen sich erst ein­mal ein­spie­len. Gera­de die Kom­mu­ni­ka­ti­on in Pro­jek­ten, auf Bau­stel­len und auch fir­men­in­tern müs­se sich „ein­schlei­fen“, so der dama­li­ge Juni­or­chef Nico Osen­stät­ter in unse­rem ursprüng­li­chen Bei­trag. Mit einem neu­en Wochen­plan allein ist die Arbeit also noch nicht neu organisiert.

Doch was sind die Fak­ten hin­ter der Theo­rie? Mehr erle­dig­te Auf­trä­ge? Weni­ger Ver­zö­ge­run­gen? Zufrie­de­ne­re Mit­ar­bei­ten­de? Genau dar­an müss­te sich das Modell im Betrieb mes­sen las­sen. Die zuvor an die­ser Stel­le genann­te Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung von 13 Pro­zent ist ohne belast­ba­ren Ori­gi­nal­nach­weis kein geeig­ne­ter Beleg dafür.

Die Fir­ma stellt sich so auf die Suche nach neu­en Fach­kräf­ten ein

Eine ers­te Reak­ti­on schil­der­ten wir schon im dama­li­gen Bei­trag: Nach der Ankün­di­gung der Vier-Tage-Woche gin­gen dem­nach ver­mehrt Bewer­bun­gen ein. Selbst der beauf­trag­te Head­hun­ter frag­te wäh­rend einer Per­so­nal­be­spre­chung scherz­haft: „Wo darf ich unterschreiben?“

Die klei­ne Sze­ne bringt den Reiz des Ange­bots auf den Punkt. Jeden Frei­tag frei — das war die im Bei­trag beschrie­be­ne Aus­sicht. Ein Tag für die Fami­lie, zum Durch­at­men oder für Din­ge, die sonst lie­gen blei­ben. Aus die­ser Reak­ti­on lässt sich Inter­es­se am Modell erken­nen; wie vie­le dau­er­haf­te Ein­stel­lun­gen dar­aus wur­den, ist damit noch nicht gesagt.

Das Wachs­tum der Fir­ma braucht neue Mitarbeitende

Die Hoff­nung des Unter­neh­mens war nach­voll­zieh­bar: Mit zusätz­li­chen Fach­kräf­ten lie­ßen sich lau­fen­de Pro­jek­te bes­ser bewäl­ti­gen und wei­te­re Auf­trä­ge anneh­men. Bewer­bun­gen waren dafür ein Anfang. Bis dar­aus ein­ge­ar­bei­te­te Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wer­den, die das Team dau­er­haft ver­stär­ken, sind jedoch wei­te­re Schrit­te nötig.

Des­halb wäre es zu früh, aus dem Inter­es­se am Arbeits­zeit­mo­dell bereits gesi­cher­tes Wachs­tum oder ter­min­ge­recht abge­wi­ckel­te Auf­trä­ge abzu­lei­ten. Genau das soll­te die Umstel­lung ermög­li­chen — ob und in wel­chem Umfang es gelang, müss­te eine spä­te­re Bilanz zeigen.

Mehr Raum für Erho­lung — wie sieht das im All­tag aus?

Ein zusätz­li­cher frei­er Tag klingt nach mehr Luft im Kalen­der. Aber was pas­siert an den vier ande­ren Tagen? Blei­ben die Abläu­fe gut plan­bar, oder wird die glei­che Arbeit ein­fach dich­ter gepackt? Für die Beschäf­tig­ten dürf­te die­ser Unter­schied min­des­tens so wich­tig sein wie die Zahl der Arbeitstage.

Für den kon­kre­ten Betrieb lie­gen uns kei­ne belast­ba­ren Anga­ben zu gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen vor. Weni­ger Krank­heits­ta­ge oder ein gerin­ge­res Burn­out-Risi­ko las­sen sich des­halb nicht ver­spre­chen. Auch die frü­he­re Aus­sa­ge, jeder kön­ne den frei­en Tag selbst bestim­men, war in unse­rem Bei­trag nicht belegt; beschrie­ben war viel­mehr ein frei­er Freitag.

Fazit: Ist die Vier-Tage-Woche ein Erfolg?

Die Vier-Tage-Woche kann ein inter­es­san­tes Kon­zept für Unter­neh­men sein. Sie bie­tet einen Anlass, Arbeits­ab­läu­fe zu hin­ter­fra­gen und dar­über nach­zu­den­ken, was einen Betrieb für Fach­kräf­te attrak­tiv macht. Die Holz- und Fur­nier­fir­ma Osen­stät­ter woll­te das ab Sep­tem­ber 2022 erpro­ben. Die Erwar­tun­gen waren hoch: mehr Bewer­bun­gen, neue Mit­ar­bei­ten­de und damit mehr Mög­lich­kei­ten für die wei­te­re Entwicklung.

Hat das funk­tio­niert? Die­se Fra­ge lässt sich mit der dama­li­gen Ankün­di­gung und den ers­ten Reak­tio­nen noch nicht beant­wor­ten. Der Gedan­ke hin­ter dem Ver­such bleibt aber span­nend: Wer Men­schen für sei­nen Betrieb gewin­nen möch­te, soll­te ihnen nicht nur erklä­ren, wel­che Arbeit auf sie war­tet — son­dern auch, wie die­se Arbeit in ihr Leben pas­sen kann.

Fazit: Ist die Vier-Tage-Woche ein Erfolg?

Die Vier-Tage-Woche kann ein inter­es­san­tes Kon­zept für Unter­neh­men sein. Sie bie­tet einen Anlass, Arbeits­ab­läu­fe zu hin­ter­fra­gen und dar­über nach­zu­den­ken, was einen Betrieb für Fach­kräf­te attrak­tiv macht. Die Holz- und Fur­nier­fir­ma Osen­stät­ter woll­te das ab Sep­tem­ber 2022 erpro­ben. Die Erwar­tun­gen waren hoch: mehr Bewer­bun­gen, neue Mit­ar­bei­ten­de und damit mehr Mög­lich­kei­ten für die wei­te­re Entwicklung.

Hat das funk­tio­niert? Die­se Fra­ge lässt sich mit der dama­li­gen Ankün­di­gung und den ers­ten Reak­tio­nen noch nicht beant­wor­ten. Der Gedan­ke hin­ter dem Ver­such bleibt aber span­nend: Wer Men­schen für sei­nen Betrieb gewin­nen möch­te, soll­te ihnen nicht nur erklä­ren, wel­che Arbeit auf sie war­tet — son­dern auch, wie die­se Arbeit in ihr Leben pas­sen kann.

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